Dieses Leitbild soll dem Franziskus-Gymnasium Vossenack, das von der gemeinnützigen Schulgesellschaft Franziskus-Gymnasium Vossenack getragen wird, den Lehrerinnen und Lehrern, den Schülerinnen und Schülern, den Eltern, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine gemeinsame Orientierung und Ausrichtung geben. Das Leitbild dient allen am Schulleben Beteiligten der Selbstvergewisserung und der Darstellung nach außen als einer katholischen Schule.
Das Leitbild geht davon aus, dass das „Katholische“ und in ihm das „Franziskanische“ das Proprium des Franziskus-Gymnasiums ist. Unter dieser Voraussetzung werden Kriterien entwickelt, die leitend sein sollen für das Schulleben in seiner Gesamtheit.
Das Leitbild erhebt nicht den Anspruch, die franziskanische Eigenprägung der Schule umfassend und letztgültig auszulegen. Es geht dabei nicht um Abgrenzung, sondern um Präzisierung und Profilierung.
Das Franziskus-Gymnasium möchte,
* junge Menschen ganzheitlich bilden und erziehen,
* mit ihnen den Glauben der Kirche gemeinsam leben
* und sich gemeinsam für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung einsetzen.
Wie diese Ziele umgesetzt werden, wird im folgenden Leitbild näher erläutert.
Für den heiligen Franziskus war die Ausrichtung seines Lebens und das seiner Brüder nach dem Evangelium entscheidend. Nachfolge war für ihn Christusnachfolge. Bei aller wunderbaren Größe Gottes offenbarte sich ihm der Schöpfer des Himmels und der Erde vor allem im Kleinen und Unscheinbaren, besonders aber in Jesus von Nazareth, dem Kind im Stall zu Bethlehem. Der je größere Gott ist ihm der je kleinere, in diesem Kind der „deus semper minor“. Franziskus lebte die Christusnachfolge in einem sehr einfachen, nahezu ärmlichen Lebensstil. „Minoritas“ ist somit die eine Säule seiner Spiritualität, die andere ist „Fraternitas“. Er wollte sein evangeliengemäßes Leben der Nachfolge nicht allein leben, sondern in Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern, und das nur innerhalb der Kirche, aber mitten in der Welt. Das Franziskus-Gymnasium ist darum eine katholische Schule, der Franziskus als Vorbild dient. In ihr bilden alle Beteiligte eine Lehr- und Lern-, eine Erziehungs- und eine Lebensgemeinschaft. Letztere bringt zum Ausdruck, dass hier Menschen nach dem Vorbild des heiligen Franziskus unterwegs sind, um Welt zu gestalten, in der das Gesicht Christi lebendig ist.
* Die Schulseelsorge hat einen besonderen Stellenwert im Schulleben. Die gemeinnützige Schulgesellschaft achtet darauf, dass die Stelle eines Schulseelsorgers besetzt ist, nach Möglichkeit und in Absprache mit der Deutschen Franziskanerprovinz von der heiligen Elisabeth mit einem Franziskaner.
* Lehrerinnen und Lehrer ermöglichen Schülerinnen und Schülern durch einen klaren Standpunkt Orientierung und Beheimatung im Glauben. Sie nehmen am Schulgebet zum Tagesbeginn und an den Gottesdiensten der Jahrgangsstufen und der Schulgemeinde teil.
* Die Feier der Eucharistie, vor allem zu besonderen Anlässen wie z.B. Schuljahresbeginn, Patronatsfest, Abiturentlassfeier, Schuljahresabschluss u.a. ist unverzichtbar und das Zentrum des Schullebens.
* Die Schulgottesdienste für einzelne Jahrgangsstufen sowie für die Schulgemeinde haben einen festen Platz im Stundenplan und Jahreskalender.
* Das Gebet in den Klassen und Kursen zu Beginn des Schulalltags wird von allen gepflegt.
* Für Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer und für die Eltern gibt es Angebote religiöser Orientierung.
* Die geprägten Zeiten des Kirchenjahres werden in den Gottesdiensten und in der Gestaltung des Schulgebäudes berücksichtigt.
* Die Schule ist offen für Angebote kirchlicher und Ordenseinrichtungen zu kirchlichen Berufen.
* Das Franziskus-Gymnasium hat durch die Anbindung an das Franziskanerkloster Räume für Gottesdienste, Gebet und Meditation.
Das Franziskus-Gymnasium ist ein Ort, an dem sich alle mit Achtung und Ehrfurcht begegnen und einander in ihrer Andersartigkeit respektieren. Dies geschieht in dem Bewusstsein, dass jeder Einzelne unabhängig von Alter, Geschlecht, Beruf und gesellschaftlicher Stellung Gottes einmaliges Geschöpf ist, mit Freiheit und Würde ausgestattet. Im Sinne des hl. Franziskus ist es, gerade denen einen Platz offenzuhalten und zu bereiten, die zu den Benachteiligten unserer Gesellschaft gehören.
* Das Franziskus-Gymnasium ist eine integrative Schule. Jede Schülerin und jeder Schüler werden entsprechend ihren Begabungen gefördert, dazu gehören auch Kinder mit körperlichen Behinderungen. Sie werden – sofern das fachlich leistbar ist – begleitend unterstützt.
* Bildungsgerechtigkeit ist ein ständiges Thema im Leben einer Schule. Das Franziskus-Gymnasium steht grundsätzlich allen offen, die sich um Aufnahme bemühen. Eine besondere Verantwortung trägt die Schule für diejenigen, denen normalerweise ein Zugang zu weiterführenden Schulen verwehrt ist. Das Franziskus-Gymnasium steht darum in der Pflicht zu einer engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Franziskus-Internat.
* In allen Fächern, die sich mit Religion, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik befassen, gehört die Sicht auf die Verlierer und die Benachteiligten immer mit dazu. Die Grundsätze der katholischen Soziallehre sind selbstverständlicher Bestandteil von Unterricht und Erziehung.
Katholisch meint allumfassend. Das Franziskus-Gymnasium ist eine katholische Schule. Sie ist damit eingebunden in den Raum der katholischen Kirche und selber nochmals ein Ort der Evangelisierung. Das bedeutet: auf die Schule richtet sich das pastorale Bemühen der Kirche einerseits, und andererseits wird die Schule zu einem Ort der Vorbereitung für die Übernahme von Verantwortung in Kirche und Welt. Es braucht dazu vor allem die Offenheit im Dialog, mit den Christen anderer Konfessionen und mit den Gläubigen anderer Religionen. Franziskus hat diese Offenheit gelebt, sein Besuch beim Sultan gibt dafür beredtes Zeugnis. Das heißt für das Franziskus-Gymnasium: unser Glaube an den dreifaltigen Gott ist ganz wesentlich verwiesen auf das Gespräch und den Austausch.
* Die Beschäftigung mit anderen Kulturen, mit fremden Sprachen, wozu auch Latein und Griechisch gehören, hat das Ziel, anderen Kulturen und Lebensweisen von innen her als eine persönliche Bereicherung zu erfahren.
* Zum Schulleben des Franziskus-Gymnasiums gehören der Schüleraustausch, Partnerschaften mit anderen Schulen über die Grenzen Deutschlands hinaus und Gastfreundschaft gegenüber jedermann.
* Begegnungen mit andern katholischen Schulen und katholischen und evangelischen Gemeinden im Umfeld der Schule sollen nach Möglichkeit herbeigeführt werden.
* Auch die Verbindung mit der Weltkirche (z.B. durch Unterstützung der bischöflichen Hilfswerke und der Missionszentrale der Franziskaner in Bonn) soll in der Schule zum Ausdruck kommen.
* Schülerinnen und Schüler werden dazu angehalten, sich angemessen im liturgischen Raum und bei liturgischen Feiern zu verhalten und die Begegnung mit anderen Konfessionen und Religionen wertzuschätzen.
* Das Franziskus-Gymnasium nimmt Schülerinnen und Schüler anderer Konfessionen und Religionen, aber auch Konfessionslose nach Maßgabe seiner Möglichkeiten auf.
* Im Sinne des Dialogs setzen sich Schülerinnen und Schüler auch mit den Positionen nichtgläubiger Menschen auseinander.
Nach christlicher Lehre ist der Mensch eine Einheit von Geist, Seele und Leib. Der Leib ist Ausdrucksform der Seele, die Seele ist nicht zu denken, ohne auf den Leib bezogen zu sein. Jesus ging es in der Begegnung mit den Menschen immer um das Heil des ganzen Menschen. Der Mensch ist in dieser Ganzheit Abbild Gottes. Daraus ergeben sich Konsequenzen für das Franziskus-Gymnasium.
* Das Franziskus-Gymnasium ist ein Ort ganzheitlicher Bildung und Erziehung.
* Das Franziskus-Gymnasium hat zwei Schwerpunkte, einen sprachlichen und einen mathematisch-naturwissenschaftlichen. Fächer wie Religion, Kunst, Musik, Literatur, Geschichte, Sozial- und Erziehungswissenschaft oder auch Sport sind keine Nebenfächer, sondern integraler Bestandteil ganzheitlicher Bildung.
* Die sinnvolle Gestaltung der Freizeit und das Erreichen einer Esskultur sind ebenso unverzichtbare Bestandteile der ganzheitlichen Erziehung am Franziskus-Gymnasium.
* Die Schule achtet auf die geistige, seelische und leibliche Gesundheit aller am Schulleben Beteiligten. Sie wirkt in diesem Sinne präventiv.
* Wir legen Wert auf Offenheit, Ehrlichkeit, Integrität, Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit, konstruktive (Selbst-) Kritik und ein Sozialverhalten, das den anderen achtet und ehrt („Du gehörst dazu!“; „Ich höre dir zu!“; „Ich rede gut über dich!“; „Ich begleite dich ein Stück!“, „Ich teile mit dir!“).
* Die Sexualerziehung orientiert sich an der kirchlichen Lehre.
* Das Franziskus-Gymnasium bietet einen Raum, in dem Schülerinnen und Schüler angstfrei leben und lernen können. Sollte es zu sexuellem oder zu Machtmissbrauch kommen, wird dies kirchlichen und staatlichen Stellen zur Anzeige gebracht. Den Opfern wird, so gut wir es können, geholfen.
Mensch und Welt sind ein Geschenk Gottes. Das hat auch Franziskus so gesehen. Er trug im Herzen eine tiefe Freude über dieses Geschenk. Darum ging er in allem, Mensch und Welt, mit großer Dankbarkeit um.
Die Welt gehört nicht dem Menschen. Er ist als Sachwalter Gottes für seinen Umgang mit der Welt verantwortlich. Auf diese Verantwortung sollen die jungen Menschen am Franziskus-Gymnasium vorbereitet werden.
* Das Franziskus-Gymnasium Vossenack ermutigt alle, wie der hl. Franziskus Mensch und Welt mit den Augen Gottes zu sehen.
* Das Franziskus-Gymnasium fördert bei Schülerinnen und Schülern den Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung durch fächerübergreifenden Unterricht, durch das Angebot spezifischer Arbeitsgemeinschaften und die Teilnahme an Seminaren außerhalb des Hauses zu dieser Thematik.
* Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer werden zu einem verantwortungsvollen und sparsamen Umgang mit den natürlichen Ressourcen dieser Erde angehalten, um so auch nachfolgenden Generationen eine Chance zu geben.
* Die Schule ist darum bemüht, ein regeneratives Energiekonzept zu entwickeln und umzusetzen.
* Die Schule fördert durch entsprechende Initiativen den Aufbau einer Anerkennungskultur, die besondere Leistungen, die auch über den Unterricht hinausgehen, hervorheben.
Eher spontan als wohl überlegt lebt der hl. Franziskus ganz auf den anderen hin. Vor allem in den Armen und Elenden sieht er das Antlitz Christi, von dem er sich unendlich geliebt weiß. Nur so vermag er selbst zu lieben. Zur Liebe befähig zu sein, die sich aus der Liebe Gottes zu Mensch und Welt nährt, ist ein typisches Kennzeichen gelebten Christseins. Natürlich muss diese Liebe jungen Menschen auch vorgelebt werden, um sie sensibel und aufmerksam zu machen, für den andern in seiner Not aber auch in seinem Glück da zu sein.
* Das Franziskus-Gymnasium führt in einem Sozialpraktikum die Schülerinnen und Schüler an aktiv gelebte Solidarität und Mitmenschlichkeit heran.
* Das Franziskus-Gymnasium hält die Schülerinnen und Schüler dazu an, sich in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft argumentativ einzumischen. Dies geschieht in einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung und in Einübung politischer Verhaltensweisen in den Mitwirkungsgremien der Schule und in der Gesellschaft.
* An allen wichtigen Themen, die die Schule berühren, wie z.B. die Bildungspolitik, die religiöse Profilierung u.a., werden Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und Schülerinnen und Schüler beteiligt.
* Die Schule bemüht sich darum, Partnerschaften mit andern Schulen im Ausland, vorzugsweise in sozial und wirtschaftlich schwachen Regionen, aufzubauen und zu pflegen.
* Bei pädagogischen Maßnahmen und bei der Gestaltung der Schullaufbahn werden die Eltern als Berater und Partner der schulischen Bildungs- und Erziehungsarbeit einbezogen.
* Eine Streitkultur und Streitschlichtung ist der Schule eigen.